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Irgendwie ist er heuer anders, der Advent.
Gewiss glänzende und romantische Lichterketten in den Straßen der Städte und Dörfer. 0der der sinnenhafte Adventskranz. Doch es entfallen stimmungsvolle Adventsmärkte und Weihnachtsfeiern. Wir erleben Verzicht, Einschränkungen, auch Zumutungen und Einbußen. Insgesamt aber weniger Rummel und mehr Ruhe, weniger Hektik und mehr Stille. Vermissen werden wir auch Treffen, Begegnungen, Austausch, Gespräche und menschliche Nähe. So werden wir mehr auf uns selbst zurückgeworfen. Auf den Partner, auf die Familie oder die Kinder. Vielleicht schon etwas gewohnt vom Frühjahr her, als alles begann?  Aber ist nicht die ganze Situation irgendwie ein Halte-Signal? Sind wir nicht schon seit Längerem dem „Immer mehr, immer schneller, immer höher, immer lauter, immer reicher und immer größer“ verfallen? Geht es nicht auch etwas entspannter? Merken wir überhaupt noch, ob unser Weg und unser Denken das Richtige sind? Corona und der Advent erinnern uns: Mensch, tritt doch mal auf die Bremse! Entschleunige dich! Was ist denn für dich wichtig? Gilt nicht gerade jetzt: „Weniger ist mehr?“ Was sind deine Werte, für die es sich lohnt zu leben? Der Advent führt uns von außen nach innen, von der Zerstreuung in die Sammlung und von der Oberflächlichkeit in die Tiefe. Er öffnet uns die Augen für den Nächsten. Wir haben Menschen um uns, die unsere Nähe brauchen: Die Familie, Kranke, Einsame. Was sind sie dir wert? Wie wichtig sind sie für dich? Wieviel Zeit hast du für sie? Dann richtet der Advent den Blick auf uns selbst und in uns selbst. Was bist du dir selber wert? Deine Gesundheit, das eigene Leben, dein Charakter, dein Glaube? Hier führt uns der Advent an einen Punkt, den wir oft vernachlässigen: Er spricht davon, dass da einer auf uns zukommt und verborgen schon da ist. Aber geh ich auf ihn zu? Wie stehe ich zu diesem verborgenen Christus und Gott? Zweifel kann es ja geben. Doch es lohnt sich jedes Ringen mit ihm, bei dem uns ein neues Vertrauen und eine neue Beziehung geschenkt werden kann. Deshalb ist der Ruf des Advents aus dem Mund Johannes des Täufers: „Eine Stimme ruft in der Wüste. Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“  Ist nicht Manches Wüste im eigenen Leben, in den persönlichen Beziehungen, in der Beziehung zu Gott, zum Glauben, zur Kirche? Was kann da gereinigt und geebnet werden? Ja, gewiss: Heuer ist der Advent irgendwie anders. Aber kann diese Krisenzeit nicht auch eine Chance sein für uns ganz persönlich? Eine Chance, den Sinn des Advents wieder neu zu entdecken? Er macht uns nachdenklich, wie flüchtig, vergänglich und begrenzt unser Leben ist. Er befähigt uns, warten zu können, noch Neues auf uns zukommt. Auch warten zu können auf das Kommen des Herrn.