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Derzeit begegnet mir häufig die Frage: „Wann geht Corona endlich zu Ende? Wie werden wir es überstehen? Warum so viel Leid und wie es annehmen?“ Fragen, auf die es keine spontanen Antworten gibt. Leid annehmen, das mussten auch Jesus und seine Mutter Maria. Sie taten es in einem tiefen Vertrauen auf Gott, von dem sie sich auch im Leid getragen wussten. Im Evangeliums-Bericht von Mariä Lichtmess prophezeit Simeon Maria im Tempel: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen!“ Es ist das Schwert des Leidens und des Mitleidens mit anderen. Denken wir nur an die Corona-Kranken auf den Intensivstationen oder an alte Menschen in den Heimen. Zwingt uns nicht derzeit die Pandemie, uns wieder intensiver mit dem Thema Leid auseinanderzusetzen? Auch mit dem Thema Tod? Auch davon spricht Lichtmess mit den Worten Simeons: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du der Welt bereitet hast.“ Heil? Aber welches Heil? Es ist das Heil, das dem Simeon in Jesus, im Christkind, aufleuchtet. Fühlt sich da nicht dieser alte Mann auch noch im Sterben gut bei ihm aufgehoben? Kinder und Enkel sind für Ältere oft ein großer Lichtblick. Jesus aber ist sogar ein Lichtbringer und Hoffnungsträger für die ganze Menschheit. Da fließen heute am 2. Februar die Lichtmess- und Weihnachtsbotschaft direkt ineinander.  Was vielleicht nur wenigen bekannt ist: Mariä Lichtmess ist schon ein sehr altes Fest. Nachdem im 4. Jahrhundert Kaiser Konstantin Weihnachten auf den 25.Dezember festlegte, gab es bereits ein paar Jahrzehnte danach ein „Fest vom Tragen der Lichter“. So berichtet um 400 die Pilgerin Ätheria, dass bei der Auferstehungskirche in Jerusalem eine große Lichterprozession stattfand. Bischof, Priester und Gläubige gedachten der Begegnung von Simeon und Hanna mit dem Christkind im Tempel. Aber wird dieses Messias-kind auch von uns heute als Lichtbringer, Hoffnungsträger und Retter erkannt? Immerhin bedeutet der Name Jesus „Gott rettet“. Wie aber rettet Gott? Lichtmess und Weihnachten sagen uns: Gott rettet dadurch, dass er Mensch wird. Er rettet durch Heilung von Kranken, Blinden und Verlorenen, durch Solidarität und Liebe. Brauchen wir nicht auch derzeit diese göttliche Haltung und Einstellung von Solidarität und Liebe? Das Feingefühl gegenüber Kindern, die daheim lernen müssen, die Aufmerksamkeit gegenüber den alten Menschen oder die Sensibilität gegenüber jenen, die um ihre Toten trauern? So könnte Lichtmess zu einem Fest großer Hoffnung und Zuversicht werden. Zu einem Fest, das Weihnachten nochmals zum Leuchten bringt und das uns im Kind von Bethlehem den Retter der ganzen Menschheit offenbart. 
Pfr. R. Distler