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KinderbibeltagKinderbibeltag

Wer ist eigentlich Königin Ester und was hat sie getan? Und was hat der jüdische Fasching mit ihr zu tun?

In der Bibel findet sich ein eigenes Buch, das den Namen der Monarchin trägt. Beim Kinderbibeltag 2017 im Pfarrheim Meckenhausen lernten mehr als 40 Kinder die sonst eher unbekannte Königin Ester näher kennen.

 

Kinderbibeltag

 

Zunächst machten sich die Kinder mit den - zugegebenermaßen nicht ganz einfachen - Namen der wichtigsten Personen bekannt: in der Geschichte der Königin Ester spielen König Ahasveros, sein oberster Diener Haman und Esters Onkel Mordechai die Hauptrollen. Historisch ist der Bericht in die Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft Israels (597 - 539 v. Chr.) einzuordnen. Damals hatten die Babylonier unter König Nebukadnezar II. Jerusalem erobert und die Bewohner ins Exil geführt. Später eroberte der Perserkönig Kyros II. Babylon und nahm die Israeliten aus Babylon mit sich nach Persien.

Zur Zeit des Königs Ahasveros - den Geschichtsbüchern auch als Xerxes I. bekannt - lebten in Persien Mordechai und seine Nichte Ester, die beide Eltern verloren hatte. Als der König seine Frau verstoßen und einen Schönheitswettbewerb ausgeschrieben hatte, um eine neue Königin zu finden, machte Mordechai Ester Mut, in den Palast zu gehen und sich vorzustellen. Tatsächlich entschied sich Ahasveros für Ester. Für sie ging ein Traum in Erfüllung.
In einer ersten Arbeit überlegten die Kinder daraufhin, welche Träume, Berufswünsche und Pläne sie selber schon hatten oder haben: Prinzessin oder ein großer Landwirt oder Zahnärztin wollten die einen werden, reich oder heilig, eine Reise nach Island und Pferde wünschten sich andere. 

Königin sein ist nicht nur ein Traumjob, es gehört auch dazu, Verantwortung zu übernehmen.
Es war eisernes Gebot bei den Persern, dass man nur auf Einladung des Königs zu ihm kommen durfte. Das galt auch für seine Frau. Nun hatte aber Mordechai Ester informiert, dass der Beamte Haman Böses gegen die Juden plant und sie alle vernichten will. Denn der Jude Mordechai weigerte sich beständig, ihm Reverenz zu erweisen. Der tief gekränkte Haman hatte bereits ein königliches Gesetz erwirkt, das ihm freie Hand für sein Vorhaben gibt und den Tag dafür ausgelost. Ester musste zum König, um das Schlimmste zu verhindern. Doch einfach so konnte sie ja nicht hingehen. Zwar könnte sie auf Gott vertrauen, aber...
KinderbibeltagMit einem interaktiven Zweifel-Rap machten die Kinder darauf aufmerksam, dass wir uns manchmal in ähnlichen Situationen befinden und die Zweifel stärker sind als das Vertrauen. Der innere Schweinehund tut ein Übriges und bringt uns davon ab zu tun, was zu tun wäre.

Es war die Kraft des gemeinsamen Gebets, die Ester doch den Mut finden ließ, zum König zu gehen. Auf die Frage, was ihr Wunsch sei, lud sie den König, seinen Beamten Haman und die Berater zu einem Festmahl ein. Während des Mahls fragte der König nochmals nach ihrem Wunsch: "Wenn ich beim König Gnade gefunden habe und es ihm gefällt, mir zu geben, worum ich bitte, und meinen Wunsch zu erfüllen, dann möge der König auch morgen mit Haman zu dem Festmahl kommen, das ich für sie veranstalte. Morgen will ich dann die Frage des Königs beantworten." - In dieser Nacht hatte König Ahasveros einen schlechten Schlaf. Er ließ die Diener kommen und bat sie, aus der Chronik des Reiches vorzulesen. In einer der vorgelesenen Aufzeichnungen wurde berichtet, wie Mordechai vor einiger Zeit zwei Diener belauscht hatte, die ein Attentat auf den König verüben wollten. Mordechai hatte Ester informiert, und Ester den König. So konnte der Anschlag verhindert werden. Für diese Großtat erhielt er damals keine Belobigung oder ähnliches. Darum ordnete König Ahasveros an, Mordechai müsse belohnt werden. Von Haman ließ er sich Vorschläge dazu machen. Dieser, in der Meinung, ihm selbst würde die Belohnung zuteil, lieferte zahlreiche Ideen und wurde erneut tief gekränkt, als er erfuhr, dass sein Erzfeind Mordechai belohnt werden sollte.

Am Abend jenes Tages fand das zweite Festmahl Esters mit dem König, Haman und den Beamten statt. Wieder fragte der König seine Frau nach ihrem Wunsch. Da öffnete sich Ester und erklärte, dass sie zum Volk der Juden gehören, dessen Ausrottung beschlossen sei. "Wenn ich beim König Wohlwollen gefunden habe und wenn es ihm gefällt, dann möge mir und meinem Volk das Leben geschenkt werden." Und sie nannte Haman als Drahtzieher des gesamten schändlichen Vorhabens. Das Betteln um Gnade Hamans blieb unerhört, der König sprach das Todesurteil. Den Juden aber erlaubte er, da das erste Gesetz nicht rückgängig gemacht werden konnte, dass sie sich wenigstens verteidigen durften. 

KinderbibeltagNach dem Mittagessen, einem Ratespiel, Malbildern, Basteleien und einigen Rätseln beschäftigten sich die Teilnehmer noch mit einer kuriosen Tatsache: im Buch Ester, obgleich Teil der Bibel, kommt Gott kein einziges Mal ausdrücklich vor. Diesen Zwiespalt aufzulösen halfen einige Überlegungen, wo in der Geschichte Gott möglicherweise doch seine Finger im Spiel hatte. Ob ein Zufall immer dem Wirken Gottes zuzuschreiben ist, mag dahin gestellt sein. Wo sich aber die Zufälle derart häufen, dass aus hoffnungslosen Situationen Rettung erwächst, da müsste es Zufall sein, wenn wirklich alles zufällig wäre. Das Volk Israel hat sich in größter Not seinem Gott anvertraut und konnte dem Unglück entkommen. Zur Erinnerung daran feiert man in Israel jedes Jahr das Purimfest (purim heißt auf hebräisch die Lose - Haman hatte Lose geworfen, um den Tag für sein Vorhaben zu bestimmen), das unserem Fasching ähnelt: die Israeliten verkleiden sich und feiern lautstark auf den Straßen.

Dass wir Christen durch unsere Taufe auch zu Königinnen und Prinzen geworden sind, führte das Thema des Kinderbibeltags weiter.
König sein heißt nicht, es sich gut gehen und sich bedienen lassen.
König sein heißt, für andere Verantwortung tragen. 
König sein heißt nicht, niemandem gehorchen müssen.
König sein heißt, mehr als alle anderen auf Gott zu hören.
König sein heißt nicht, sich zum Diener von Geld, Auto und Freizeitvergnügen machen zu lassen.
König heißt, dafür sorgen, dass der Wille Gottes geschieht.

Mit dem Lied "Mut tut gut", dem Vater unser und dem Segen fand der diesjährige Kinderbibeltag seinen Abschluss.

 

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