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Martin wird Bischof

Martin war vielen Menschen Ratgeber und Nothelfer und hatte sich überall einen Namen gemacht.
371 starb in Tours Bischof Lidorius. Das Volk hatte sich schnell einen Nachfolger ausersehen: den Mönch Martin, der im gut 100 km entfernten Kloster in Ligugé lebte. Viele Bischöfe, wie auch Martin selbst, waren über die Wahl nicht sehr begeistert. Martin suchte sich zunächst dem Drängen der Bevölkerung zu entziehen. Doch die Bevölkerung setzte ihren Wunschkandidaten durch.
Am 4. Juli 372 wurde Martin zum Bischof geweiht.

Kloster Marmoutier

Martin war bescheiden, gerecht und demütig. Seine Bischofsresidenz blieb eine einfache Klosterzelle, er wollte nicht auf Besinnung und Askese verzichten. Die überlieferten Viten schildern einstimmig seine schlichte Lebensart: er putzte sich selber die Schuhe und als Kathedra bediente er sich eines einfachen Holzstuhls. Über der Loire legte er die Anfänge des späteren Klosters Marmoutier. Askese und kulturelles Engagement machten Marmoutier zu einem bedeutenden religiösen Zentrum, das die Klosterkultur über Jahrhunderte prägte.

Kloster Marmoutier heute

Missionsreisen führten Martin durch sein ganzes Bistum und darüber hinaus. Er wollte die Getauften im Glauben stärken und den Nichtchristen Christus nahe bringen. Er war den Menschen Priester, Arzt und Nothelfer und bediente sich bisweilen auch unorthodoxer Methoden, um seinen Willen durchzusetzen und den Menschen zu Hilfe zu bringen. In einem Fall hat er – so die Legende – eine ganze Winternacht vor dem Burgtor gewacht, um einigen armen Sündern Leben und Freiheit zu erlangen. Ein anderes Mal stellte er sich gegen den Kaiser, verweigerte ihm gar die Reverenz und schlug dessen Einladung zum Festmahl aus. Schließlich ging er gegen die keltischen Heiligtümer vor und gab heidnischen Kulten, Bräuchen und Festen einen neuen, christlichen Sinn.

Trier

Im Jahr 384 kam Bischof Martin nach Trier, wo sich aktuell die kaiserliche Residenz befand. Martin wollte mit Kaiser Magnus Maximus sprechen und ein gutes Wort für den angeklagten Priscillian einlegen. Sein Ansehen war so stark, dass Martin erreichen konnte, dass der Prozess abgebrochen wurde.

Trier: Porta Nigra

Auf einer seiner Missionsreisen starb Bischof Martin am 8. November 397 im Alter von 81 Jahren in Candes. Die Bewohner von Candes wollten seinen Leichnam nicht hergeben. Mit einer List gelang es seinen Begleitern, den Leichnam im Schutz der Nacht nach Tours zu überführen.

Dort wurde er drei Tage später, am 11. November, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Über seinem Grab errichtete sein Nachfolger eine Kapelle, die ein vielbesuchtes Pilgerziel und fränkisches Nationalheiligtum wurde.

Grab

Grab des hl. Martin in der Krypta der Basilique de St. Martin in Tours