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Lichtmess

Doch schon um 400 berichtet die Pilgerin Ätheria, dass bei der Auferstehungskirche in Jerusalem eine feierliche Prozession stattfand. Priester und Bischof erinnerten das Volk an ein biblisches Geschehen 40 Tage nach der Geburt Jesu. Da wurde das Jesuskind von Maria und Josef in den Tempel gebracht. Aber warum der Name Lichtmess? Jesus ist ein Kind des Lichtes, ein Hoffnungskind. Einst hatte es der Engel Gottes Maria angekündigt. Es soll der Sohn des Höchsten genannt werden, der Messias Gottes. Das Kind öffnet im Tempel zwei alten Menschen die Augen, Simeon und Hanna. Sie können ihr Glück kaum fassen. Ist dies nicht das Glück von Großeltern, die noch die Geburt ihres Enkels oder Urenkels erleben dürfen? Simeon und Hanna sehen in diesem Kind aber auch die Erfüllung der Sehnsucht der ganzen Menschheit. Sie sehen in ihm ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit ist für das Volk Israel. Ein von diesem göttlichen Licht Erleuchteter war der Jesuitenpater Alfred Delp, einer der Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Ein prophetischer Mensch. Am Lichtmesstag, dem 2. Februar 1945, am Tag seiner Hinrichtung in Berlin Plötzensee, schrieb er in sein Tagebuch: „Ich will mir Mühe geben, als fruchtbarer Samen in die Erde zu fallen für unser Deutschland. Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben, weil wir gestorben sind!“ In der Tat: Ein Hoffnungslicht in dunkler Zeit. Vom ganz großen Licht, vom neugeborenen Retter der ganzen Welt haben wir an Weihnachten gesungen. Die Frage aber ist: Dauert diese Weihnachtsfreude noch an? Brennt dieses Licht noch in uns, das im Christkind aufgeleuchtet ist? Erwärmt und erfreut es unsere Herzen, wie das Herz des Simeon und der Hanna? Folgen wir diesem Licht oder lassen wir uns blenden von allem, was heute so glanzvoll daherkommt? Lichtmess aber sagt uns: Wir dürfen dem Licht Christi folgen, weil er sogar das Dunkel des Todes erleuchtet und uns kraft seiner Auferstehung ins ewige Licht führt. So vereinen sich am 2. Februar das österliche und das weihnachtliche Licht zu einem großen Hoffnungslicht. Dies muss auch die Pilgerin Ätheria erkannt haben, denn sie schreibt: „Niemand soll an diesem Festtag dem Tragen der Lichter fernbleiben!“ 

Pfr. Richard Distler