Erntedank

Dass bei uns Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen werden, spricht nicht gerade für Erntedank. Der Umgang mit Lebensmitteln, mit Essen und Trinken verlangt Achtsamkeit und Sorgfalt. Allzu schnell können Waren verderben. Gerade die Vorratshaltung und der Einkauf fordern in jedem Haushalt besondere Umsicht und Planung. Doch je größer die Dankbarkeit für die Nahrung, umso mehr schätzt man alles, „was uns die Erde Gutes spendet“, wie ein Lied im Gotteslob heißt. Umso größer kann auch die Dankbarkeit sein, wenn wir ein Tischgebet sprechen. Denn die Erde versorgt uns mit Brotgetreide, Früchten, Fleisch, Milch, Eier und mit vielem Anderen. Auch unsere Landwirte, Metzger, Bäcker und Gärtner bemühen sich, uns mit qualitätsvollen Lebensmitteln zu versorgen.

Vor genau 10 Jahren hat Papst Franziskus eine bemerkenswerte Enzyklika geschrieben „Laudato si“. Da lobt er mit dem hl. Franz von Assisi Gott, den Schöpfer. Er hat uns die Elemente Feuer, Wasser, Luft und den Erdboden geschenkt. Aber gleichzeitig sorgt sich der Papst wegen der ungerechten Einteilung der Erde in reiche Länder, Schwellenländer und in die armen Länder des Südens, oft gezeichnet von Hunger, Dürre, Gewalt und Terror. Aber warum fällt es uns dann so schwer, die Güter im „Haus der Schöpfung“ gerechter zu verteilen? Vielleicht ist es dann leichter, wenn wir richtig Erntedank feiern. Wir tun es, wenn wir genauer hinschauen auf die Schönheit unserer Erde, die uns Heimat, Schutz und Geborgenheit schenkt. Haben uns nicht dafür sogar die Astronauten aus dem Weltall die Augen geöffnet? Erntedank feiern wir dann richtig, wenn wir dankbar sind für die Talente, die der Schöpfer einem jeden von uns zum Nutzen aller geschenkt hat.

Und zum Dritten feiern wir Erntedank richtig, wenn wir keinem Menschen auf unserer Erde das Lebensrecht absprechen, ganz gleich welcher Hautfarbe. Aber bei fast 8 Milliarden Menschen auf diesem Globus, wird es da nicht allzu eng? Mutter Teresa meinte einmal: „Auf dieser Erde ist es wie in einem Elternhaus. Je mehr zu einer Familie gehören, umso mehr braucht es Liebe, Achtung und das Teilen.“ Deshalb stellt Papst Franziskus in seinem Rundschreiben die Frage: „Ist es nicht Zeit, die Blase der reicheren Länder platzen zu lassen und zu lernen, an das Ganze und an alle zu denken?“ Diesen Blick gibt uns schon die Schöpfungserzählung aus der Bibel. Da wird uns die Erde wie ein wunderschöner Paradiesgarten vor Augen gestellt, den der Mensch im Auftrag des Schöpfers für alle bebauen, bewahren und behüten darf. Sollten wir dafür nicht überaus dankbar sein?