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Gedanken zum Osterfest

Wenn draußen auf der Autobahn Unfälle passieren, dann machen Rettungskräfte manchmal die Erfahrung: Da geht es um Leben und Tod! Oft aber verdrängen wir für uns selbst den Tod, auch wenn wir wissen, dass wir früher oder später sterben müssen. Es geht also auch bei uns vom Leben zum Tod. Ostern aber zeigt uns die umgekehrte Richtung: Es geht vom Tod zum Leben. So auch jetzt draußen in der Natur? Da erwacht alles durch die Kraft der Sonne neu zum Leben. Die Blumen, die Sträucher, die Vögel, die Bäume. Dennoch gibt es in der Natur wieder das Absterben. Und wie ist das bei uns?

Nicht wenige meinen heute, nach dem Tod sei alles aus. Da gibt es nichts mehr: Keine Zukunft, keine Hoffnung und keine Auferstehung. Man ist dann versucht, möglichst viel Gewinn und Profit aus dem Leben oder der Natur herauszuholen. Aber ist dann nicht letztlich alles sinnlos, wenn alles Leben auf den Tod zugeht? Demgegenüber ist der christliche Glaube von einer großartigen Hoffnung geprägt und das ist Ostern. Schon die Juden und die frühen Christen nannten Ostern Pesach oder Pas-cha und das heißt Vorübergang oder Durchgang. Dahinter steht die Sehnsucht, dass das Leben nach dem Tod neu erblüht und der Mensch zu einem veränderten und verwandelten Leben erwacht, das nicht mehr stirbt. Diese österliche Zuversicht schöpfen Christen aus dem Tod und aus der Auferstehung Jesu. Sie feiern das an Ostern und in jeder Eucharistie. Diese Zuversicht verleiht jedoch dem Leben jetzt schon Lebenssinn und Lebenskraft. „Wer daran festhält“, so schreibt der frühere Bischof Kamphaus von Limburg, „der wird lernen zu lieben, das Leben mit anderen zu teilen und gegen alles Todbringende aufstehen. Er wird es tun im Namen dessen, der für uns auferstand vom Tod um Leben.“

Richard Distler, Pfr. i. R.