Gedanken zum Fronleichnamsfest

Dass Kirche nicht für sich, sondern für alle da ist, das kommt vielfältig zum Ausdruck. Sie öffnet ihre Kindergärten, Heime, Schulen und Hochschulen für alle Interessenten. Ihre Feiertage kommen allen Arbeitnehmern und Unternehmern zugute. Auch der Sonntag entspringt dem Christentum. Weil da Christen Gottesdienst feiern, deshalb steht er unter einem besonderen Schutz, auch für Nichtchristen und Ausgetretene. Was aber uns Christen äußerst wertvoll und heilig ist, das macht die Kirche am heutigen Fronleichnamsfest öffentlich. Und das besonders eindrucksvoll. Da verlässt die Gemeinde das eigene Gotteshaus und trägt den Leib des Herrn hinaus auf die Straßen und Gassen unserer Dörfer und Städte. Es ist das Allerheiligste, gezeigt in der Monstranz und uns in die Hände und Herzen gelegt. Da werden vom Herrn auch die gesegnet, die am Rande stehen und jene, die unterwegs sind. Da zeigt er sich als Gott so nahe, dass er näher nicht sein kann. Da kommt er uns aber auch als Mensch ganz nahe als Mensch unter Menschen. Ob wir darüber noch staunen können? Aus dieser Erfahrung des Staunens, der Freude und des Dankes ist im 13. Jh. das Fronleichnamsfest entstanden. Kein geringerer als der große Thomas von Aquin hat dieses unfassbare Geheimnis von Jesus, dem Gott und Menschen, in bewegenden Fronleichnamshymnen zum Ausdruck gebracht: „Gottheit, tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen, bist du wahrhaft hier!“  Brot und Wein sind ganz welt- und lebensnahe Zeichen. Der Herr hat sie beim letzten Abendmahl erwählt, um uns darin seine Gegenwart, Nähe und Liebe zu zeigen. Unter diesen Zeichen ist er wahrhaft hier. Da geht er mit uns in der Prozession durch die Straßen unseres Lebens bis sich einst unser Weg bei ihm vollendet.

Richard Distler, Pfr. i.R. Meckenhausen