Allerheiligen und Allerseelen stehen nacheinander im Kalender. Da gedenken Katholiken nicht nur der Verstorbenen. In einer feierlichen Liturgie ehren sie auch die Heiligen.
Aber wieso? Bei Katastrophen und Unglücksfällen wird oft nach Psychologen und Seelsorgern gerufen. Aber auch sonst im Alltag braucht der Mensch bei Lebenskrisen, bei Ängsten und Ratlosigkeit Freunde und Helfer, die ihm Gutes tun. Oder schon Kinder und Jugendliche suchen sich gern Idole aus der Fußballwelt. Aber sind die Heiligen nicht dennoch überflüssig? Genügt nicht der direkte Draht zu Gott, zu Jesus? Weil wir aber Menschen sind, tun uns Fürbitter und Helfer auch vor Gott gut. Denn die Heiligen sind gerade jene, die in uns die Sehnsucht nach Gott erwecken, nach ihm, dem geheimnisvoll Ewigen.
Eigentlich sind diese himmlischen Freunde gar nicht so weit weg von uns, sie sind uns ganz nah. Gerade weil ihr Leben gezeichnet war von Höhen und Tiefen, von Schmerz und Leid, von Argwohn und Unverständnis, von Verfolgung und Martyrium, von Zweifeln, sogar von Gottferne und vom Kampf mit dem Dämonischen: Gerade weil sie sich nicht beirren ließen, durch das Dunkel hindurch Gott zu suchen und an ihm festzuhalten: Deshalb sind sie uns ganz nah, stehen aber auch ganz nah bei Gott. Heilige sind wie eine Straße, die Gott und Mensch zusammenführt. So wissen wir von der hl. Mutter Teresa, dass sie oft mit Glaubenszweifeln zu kämpfen hatte. Dass sie aber dennoch nach Gott suchte und täglich Kraft schöpfte aus der Anbetung des Allerheiligsten. Dann aber eilte sie zu den Sterbenden auf den Straßen von Kalkutta. Heilige werden verehrt, nicht angebetet. Ihre Verehrung beginnt schon im 2. Jh., als es die ersten Märtyrer gab. Ab dem 10. Jh. kennt die Kirche ein eigenes Verfahren für die Heiligsprechung.
Richard Distler, Pfr. i.R.
